Gaestebuch

Die Geschichte der Frenzer Mühle / Schälmühle

 

Entstehung und Entwicklung

Die erste urkundliche Erwähnung der Frenzer Mühle stammt aus dem Jahre 1568. Damals, vor 450 Jahren, wurde einem Bauern namens “Nellis” durch den Freiherrn “Richard von Merode” und dessen Gattin “Margarete von Oignies” die Errichtung einer Mühle (“Moulin de Frentz”) erlaubt - gegen die jährliche Entrichtung von 29 Quart Öl und einem Kapaun (= Masthähnchen).

In der Folge wurde die Mühle mehrfach umgebaut und diente als Malz-, Loh-, Eisenschneide-, Schäl-, Öl- und Getreidemühle. Die älteren Frenzer können sich noch daran erinnern, als Kind Mehl von der Mühle geholt zu haben, und auch viele andere Nachbarn haben Kindheitserinnerungen an die Mühle - man hat die großen Gebäude erforscht oder im Heu gealtes Foto - die Mühle 1926spielt, ist in den Obstbäumen herumgeklettert oder hat das große Eisenrad bewundert, dass damals durch den Mühlkanal angetrieben wurde. Bis in die 1950er Jahre wurde mit Wasserkraft Strom produziert - bis der Verlauf der Inde verlegt und kanalisiert wurde. Seitdem liegt die Frenzer Mühle sozusagen auf dem Trockenen.

Die Mühle war im Gegensatz zu anderen Mühlen in der Umgebung nie nur Mühle, sondern ein “Mühlengehöft”, also Bauernhof mit Tierhaltung. Die Stallgebäude, die wir 2012 vorfanden, beinhalten Schweineboxen, Anbindevorrichtungen für Rinder und einen Hühnerstall. Außerdem gibt es in der Werkstatt auf dem Betonboden Geflügel-Fußspuren - vermutlich Truthahn... Der Erbauer wird sich gefreut haben, als das Tierchen durch den frischen Estrich gelaufen ist:))). Auf alten Fotos sind zudem Esel bzw. Maultiere zu sehen, die höchstwahrscheinlich als Lastenträger im Einsatz waren.

 

2. Weltkrieg

Von den erbitterten Kämpfen im zweiten Weltkrieg, als die Amerikaner die Inde überquerten, erzählen heute noch die diversen Einschusslöcher in den dicken Mauern und sogar Stahlträgern der Mühle. Außerdem haben einige amerikanische Soldaten in einer Fensterbank ihre Namen eingeritzt - mithilfe dieser Namen haben wir im InternetCharles Noris hat 6 Wochen auf der Mühle gelebt recherchiert und herausbekommen, welche Einheit es war. Inzwischen sind freundschaftliche Kontakte in die USA entstanden und es waren bereits Reisegruppen mit Veteranen bzw. deren Nachkommen zu Besuch auf der Mühle.

Die Mühle wurde im November 1944 durch das 415. Infantrie Regiment, die “Timberwolves”, erobert. Diese waren eine Spezialeinheit innerhalb der 104. Infantrie Brigade. Die Timberwolves lagerten etwa sechs Wochen (während der Ardennenoffensive) auf der Mühle. Einer von ihnen, Charles Noris, schrieb später ein Buch über seine Kriegserlebnisse. Er beschrieb seine Zeit auf der Frenzer Mühle als “die schönsten sechs Wochen” seiner Armee-Zeit. Wir konnten zu ihm noch Kontakt aufnehmen und einige Erinnerungen austauschen, bevor er 2013 leider verstarb. Sein Buch wurde uns anlässlich eines Besuchs der Timberwolves Association, einer Veteranen-Organisation, feierlich überreicht. Wir sind inzwischen auch zu “Timberwolve Puppies” ernannt worden.

 

Neuzeit

Der Mühlenbetrieb wurde in den 1950er Jahren eingestellt, weil der Flusslauf der Inde verlegt wurde und somit kein Wasser mehr zur Verfügung stand. Die damaligen Eigentümer waren schon zu Kriegszeiten Besitzer der Mühle, der Mann kehrte aus dem Krieg zwar zurück, erlag aber etwas später hier seinen Verletzungen. Seine resolute und in der Umgebung durchaus “berüchtigte” Frau zog hier alleine ihren Sohn groß. Als der Sohn einige Jahre nach der Jahrtausendwende verstarb, blieb die inzwischen über 90jährige Dame alleine auf demHof. Sie war nicht mehr lange in der Lage, Hof und Tiere alleine zu versorgen. 2012 wurde die Mühle durch einen Makler verkauft und wir konnten den Betrieb übernehmen. Seitdem haben wir in Eigenleistung das Wohnhaus größtenteils saniert und den Hof zu Inden’s erstem Biohof entwickelt. Wir möchten den Betrieb gerne weiter vergrößern und suchen auch weiterhin landwirtschaftliche Flächen in der Umgebung.

2016 kam es völlig unerwartet zum Stillstand der betrieblichen Entwicklung, die Gemeinde Inden will neben unserem Betrieb ein Wohngebiet entwickeln, hat entgegen aller Absprachen zu diesem Zweck unseren Betrieb als Neubaugebiet überplant, und eine Veränderungssperre erlassen. Unsere Bauplanungen für einen kleinen Mutterkuh-Offenstall, Dächer für die Geflügelausläufe, Mistplatte etc. sowie die Dämmung unseres Wohnhauses liegen seitdem auf Eis. Damit verzögert sich natürlich die gesamte Betriebsentwicklung, die wir mit Hilfe der Landwirtschaftskammer geplant hatten. Die Taktik der Gemeinde besteht offenbar darin, das Verfahren möglichst lange hinauszuzögern und uns zum Aufgeben zu zwingen. Das wird allerdings nicht passieren, weil wir gar nicht anders können: Alles was wir haben und sind steckt in diesem Hof. Wir kämpfen also trotz aller Tiefschläge für unsere Mühle.
 

Wir tragen weiterhin Fakten und Geschichten rund um die Mühle zusammen, und werden sie hier im Laufe der Zeit bereitstellen!

Wer sich für die Sanierung unseres Hofes interessiert findet hier in regelmäßigen Abständen Berichte zum Baufortschritt: Sanierung

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